Die jährlichen Unseld Lectures bieten international renommierten Wissenschaftlern die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen und in einen interdisziplinären Dialog zu treten. Jedes Jahr wird ein Redner an das FORUM SCIENTIARUM der Universität Tübingen eingeladen. Sie/er bietet einen internationalen Meisterkurs für Studenten aller Fächer an, bringt seine/ihre Forschungen in einen Dialog mit Kollegen verschiedener Disziplinen ein und präsentiert ihre/seine Arbeit einer breiten Öffentlichkeit.


Die Unseld Lectures sind ein gemeinsames Projekt des Suhrkamp Verlags, der Udo Keller Stiftung Forum Humanum, und des FORUM SCIENTIARUM der Eberhard Karls Universität Tübingen.








Im Jahr 2010 wird die amerikanische Altertumswissenschaftlerin und Philosophin
Martha Nussbaum Gast der Unseld Lectures sein.


Martha Nussbaum ist Ernst Freund Professorin für Recht und Ethik an der Universität Chicago. Einen Namen machte sie sich früh mit ihrer Aristoteles-Interpretation, die mit herrschenden Meinungen zur Philosophie der Antike brach. Bald erweiterte sie ihren Themenbereich und veröffentlichte vor allem Arbeiten über moralphilosophische Fragen der Moderne. Dabei behandelt Martha Nussbaum oft Themen am Schnittpunkt zwischen Ethik, öffentlicher Moral, Literatur und Feminismus. Längst gilt sie als eine der markantesten Vertreterinnen des aufgeklärten Feminismus, der auch die soziale Prägung von Präferenzen und Wünschen sowie mitfühlendes Verstehen thematisiert.

In ihren neueren Büchern beschäftigt sich Martha Nussbaum u.a. mit der Bedeutung von Emotionen, denen sie einen eigenständigen Erkenntniswert beimisst. Zudem ist sie bekannt für den in Zusammenarbeit mit Amartya Sen ausgearbeiteten ‚Capabilities Approach‘, der die Ermöglichung freier Entfaltung der Person zum Kriterium sozialer Gerechtigkeit erhebt. Ihr neuestes Buch „Liberty of Conscience“ ist ein Diskurs über das Verhältnis von Religion und Rechtssystem in den USA.


Martha Nussbaum hat mehrere Literaturpreise und über dreißig wissenschaftliche Ehrungen erhalten.

Sie hatte zahlreiche Gastprofessuren inne, u.a. in Paris (1984), Oxford (1986-1987), Oslo (1994 und 1998) und Harvard (2007). Wichtige Publikationen: „Women and Human Development: The Capabilities Approach“ (2000), „Upheavals of Thought“ (2001), „Frontiers of Justice“ (2006), „Liberty of Conscience“ (2008), “From Disgust to Humanity: Sexual Orientation and Constitutional Law” (2010).


Broschüre hier erhältlich (Nur auf deutsch) als PDF (erfordert Adobe Reader)




Programmablauf 2010


Unseld Lecture 2010: “Liberty of Conscience”, 22. Juni, 20 Uhr c.t., Audimax;

Interdisziplinäres Kolloquium, 24. Juni, 20 Uhr c.t., Audimax;


Internationaler Meisterkurs, 21. - 25. Juni, FORUM SCIENTIARUM






Unseld Lectures 2009




Im Jahr 2009 war der deutsche Philosoph
Peter Sloterdijk Gast der Unseld Lectures.


In seinem Festvortrag widmete sich Peter Sloterdijk der Figur des Wissenschaftlers, wie sie sich in zweieinhalb Jahrtausenden Geistesgeschichte herausgebildet hat. In der ihm eigenen, sprachmächtigen Art zeichnete Peter Sloterdijk das Bild des Wissenschaftlers als eines theoretischen Subjekts, das aus dem Fluss der Erlebnisse heraustritt und die Dinge nur noch schaut. Im 20. Jh. erfährt diese Figur eine Reihe von Dolchstößen (durch den Existenzialismus, den Marxismus, den Feminismus etc.), die das ohnehin „scheintote“ theoretische Subjekt vollends vernichten.


Am zweiten Abend führte Peter Sloterdijk ein wissenschaftliches Streitgespräch mit Herrn Professor Christoph Schwöbel (Ev. Theologie) und Herrn Professor Nicholas Conard (Ältere Urgeschichte und Quartär-ökologie), beide Uni Tübingen. Das dritte Element der Unseld Lecture bildete ein interdisziplinärer Meisterkurs. Fünfundzwanzig Studierende diskutierten mit Peter Sloterdijk und dem Humanbiologen Herrn Professor Carsten Niemitz darüber, wie die biologische Evolution des Menschen und seine kulturellen Errungenschaften zusammenhängen. Die Teilnehmenden, die aus ganz Deutschland und Europa angereist waren, hatten neben vielen Fragen und großer Diskussionsfreude auch eigene Projekte mitgebracht, die sie untereinander vorstellten.


Die Broschüre der Unseld Lectures 2009 im PDF-Format (Nur auf deutsch; erfordert Adobe Reader)


Für mehr Informationen besuchen Sie bitte die Homepage des FORUM SCIENTIARUM.






 

Photo: Dominik Rößler

Unseld Lectures

Unseld Lectures 2010

Peter Sloterdijk bei den Unseld Lectures

Martha Nussbaum

Peter Sloterdijk